Jochen, du hast mit analoger Fotografie begonnen und später „Digital Film & Animation“ studiert. Wie hat dich dieser Weg geprägt und wie fließt das heute in deine Arbeit ein?
Über die Jahre habe ich erkannt, wie wirkungsvoll bewegte Bilder sein können. Die direkte Ansprache von Mensch zu Mensch entfaltet eine besondere Kraft – sie erreicht die Zielgruppe auf emotionaler Ebene. Dabei stellt sich immer wieder die Frage: Welchen Identifikationscharakter haben die Personen im Film für die Zuschauer? Menschen in Szene zu setzen, ihre Werte und Geschichten sichtbar zu machen – das fasziniert und begeistert mich jedes Mal aufs Neue.
„Recruitingvideos sind das ideale Medium, um gerade junge Nachwuchstalente für einen Job in der Pflege zu begeistern.“
Von Image- über Werbefilme bis Recruiting-Videos und Kinospots: Welche Formate nutzt du besonders häufig für Auftraggeber aus Pflege & Gesundheit – und warum?
Die Gesundheits- und Pflegebranche hat vor allem bei der Gewinnung von Fachpersonal großen Unterstützungsbedarf. Kinowerbung etwa ist eine gute Möglichkeit, um regional Aufmerksamkeit zu erzeugen. In der Praxis werden jedoch meist Clips für die sozialen Medien nachgefragt – sie lassen sich gezielt auf verschiedenen Kanälen ausspielen und erreichen die gewünschte Zielgruppe direkt.
Du begleitest eure Kunden von der Konzeption bis zur Vermarktung der Videos. Gibt es einen besonders erfolgreichen Case, den du benennen kannst?
Eine gut inszenierte Kampagne entfaltet immer ihre Wirkung. Mit den passenden Texten, Bildern und Filmen lässt sich die Zielgruppe gezielt und nachhaltig erreichen. Wir haben bereits alles erlebt: ein enormer Anstieg qualifizierter Bewerbungen sowie vollständig besetzte Ausbildungsplätze innerhalb weniger Tage – und das in ganz unterschiedlichen Bereichen. Ein paar Beispiele aus der Praxis zeigen, was möglich ist: Beim Verbund sozialer Dienste haben wir zwei erfolgreiche Recruiting-Kampagnen umgesetzt und bei den Lebensperspektiven e. V. sind die Bewerberzahlen sogar um 300 Prozent gestiegen.
Was sind die größten Herausforderungen, die Pflege- und Gesundheitseinrichtungen bei barrierefreien Video-Projekten typischerweise unterschätzen?
Viele Dienstleister haben keine ausreichende Erfahrung mit barrierefreien Medien. Es braucht dafür spezialisierte Anbieter wie uns. Gute, leicht verständliche Untertitel (ggf. auch in Leichter Sprache) und professionelle Audiodeskriptionen erfordern frühzeitige Planung, eigene Sprachfassungen und Spezialwissen. Wer diese Anforderungen kennt, kann Barrierefreiheit gezielt einplanen – und deutlich mehr Menschen erreichen.
„Mit unseren Recruiting-Kampagnen konnten wir die Bewerberzahlen um teilweise bis zu 300 Prozent steigern!“
Zum Schluss ein praxisnaher Tipp: Wenn ein Unternehmen jetzt mit barrierefreien Videos starten möchte – welches erste Projekt empfiehlst du und wie sollten diese Unternehmen es angehen?
Mein Vorschlag wäre ein barrierefreier Begrüßungsfilm für neue Bewohner, Patienten oder Angehörige. Der Clip hat einen hohen praktischen Nutzen – er vermittelt Orientierung, Sicherheit und Vertrauen. Zudem lässt sich so ein Projekt modular umsetzen: in mehreren kurzen Videos zu Themen wie Anreise, Tagesstruktur oder Ansprechpartner.
Vielen Dank für das Gespräch!