Oliver, du bist seit 1998 als Fotograf tätig und hast den Wandel von analog zu digital hautnah erlebt. Welche Stationen waren für dich besonders prägend und wie beeinflussen sie deine heutige Arbeit?
Geprägt hat mich ganz klar die Zeit der analogen Fotografie. Der Lernprozess war damals deutlich langsamer, aber auch nachhaltiger. Man musste sich intensiv mit Licht, Technik und dem gesamten Entwicklungsprozess auseinandersetzen und hat Fotografie dadurch wirklich verstanden. Die digitale Technik hat später enorme Vorteile gebracht. Besonders schätze ich die Möglichkeit, Kundinnen und Kunden viel stärker in den Prozess einzubeziehen. Gerade bei Portraits ist es ein großer Mehrwert, die Bilder direkt am Bildschirm zu betrachten und gemeinsam Feinjustierungen vorzunehmen. So entsteht ein Ergebnis, mit dem sich alle wohlfühlen.
Dein Studio ist in Löhne, deine Fotos tauchen aber in ganz unterschiedlichen Medien auf – von Fachportalen bis hin zu großen Marken. Wie verbindest du regionale Verwurzelung mit internationaler Sichtbarkeit?
Flexibilität war schon immer eine meiner großen Stärken. Mein Kundenstamm sitzt fast ausschließlich in Deutschland, viele Unternehmen sind jedoch international tätig. Dadurch „reisen“ die Fotos automatisch mit – über Websites, Social Media oder Publikationen. Die internationale Wahrnehmung entsteht also weniger durch meine eigene Vermarktung, sondern über die Kanäle meiner Kunden. Viele sind regional verankert, aber global aktiv – diese Kombination funktioniert für mich sehr gut.
Du bist vor allem für People- und Imagefotografie bekannt, arbeitest aber auch mit Drohnen, 360°-Touren und Stop-Motion. Welche Technik nutzt du besonders gern im Gesundheitsbereich – und warum?
Im Gesundheitsbereich ist für mich das Portrait das stärkste Mittel. Die Menschen vor Ort sind für Patientinnen und Patienten extrem wichtig. Gerade in Praxen oder Einrichtungen, in denen Menschen mit schweren Erkrankungen zu tun haben, geben Gesichter Sicherheit. Ob auf der Website oder im Eingangsbereich: Portraits der Mitarbeitenden schaffen Nähe, bauen Vertrauen auf und senken Hemmschwellen. Sie zeigen, wer einen erwartet – und genau das ist in sensiblen Kontexten enorm wertvoll.
„Bilder wecken Emotionen, bauen Vertrauen auf und geben authentische Einblicke hinter die Kulissen eines Unternehmens. Das ist gerade in der Pflege- und Gesundheitsbranche enorm wichtig.“
Barrierefreiheit spielt auch in der visuellen Kommunikation eine immer größere Rolle. Wie stellst du sicher, dass Fotos für möglichst viele Menschen zugänglich sind?
Ein wichtiger Punkt ist die Nutzung von Alternativtexten, damit Screenreader Bilder korrekt erfassen können. Bei komplexeren Motiven sind zusätzlich ausführlichere Bildbeschreibungen sinnvoll. Auch gestalterisch lässt sich viel tun: hohe Kontraste, farbunabhängige Informationsvermittlung sowie responsive und skalierbare Bilder sind entscheidend. Barrierefreiheit endet nicht beim Motiv – sie beginnt bei der Planung und setzt sich in der technischen Umsetzung fort.
Gibt es ein Projekt aus dem Gesundheitsbereich, auf das du besonders stolz bist?
Ja, die kieferorthopädische Praxis Titz und Abbooud in Löhne war eines meiner absoluten Lieblingsprojekte. Ziel war es, die neue Website komplett mit frischem Bildmaterial auszustatten. Die offene Art der Behandler, die tolle Atmosphäre beim Shooting und die gut ausgewählten Fotomodelle haben zu sehr authentischen Bildern geführt. Wenn alle Beteiligten so engagiert mitziehen, macht die Arbeit einfach richtig Spaß – und das sieht man am Ergebnis.
„Barrierefreiheit endet nicht beim Motiv.“
Welche Technik bringt deiner Meinung nach aktuell den größten Mehrwert für Pflege- und Gesundheitsanbieter?
Ich sehe den größten Mehrwert in 360°-Touren. Sie ermöglichen es potenziellen Patientinnen, Patienten und Angehörigen, Einrichtungen virtuell zu erkunden – ganz in Ruhe und ohne Druck. Das schafft Vertrautheit und Sicherheit, noch bevor der erste persönliche Kontakt stattfindet. Gleichzeitig haben aber auch klassische Fotorundgänge ihre Berechtigung. Manchmal ist es sinnvoll, nicht alles zu zeigen, sondern gezielt Akzente zu setzen. Fotos helfen dabei, den Blick zu lenken und Stimmungen bewusst zu transportieren.
Zum Abschluss ein Praxistipp: Was empfiehlst du Unternehmen, die neu in die visuelle Kommunikation im Gesundheitsbereich einsteigen – mit Blick auf Barrierefreiheit?
Barrierefreiheit wird leider oft erst am Ende eines Projekts berücksichtigt. Dann wird es teuer und aufwendig. Mein Rat: Holt euch frühzeitig Expertise ins Boot. Wer bereits in der Konzeptionsphase mit Fachleuten für Barrierefreiheit arbeitet, kann visuelle Inhalte von Anfang an inklusiv gestalten – egal ob Website, Infografik oder Video. Das spart langfristig Zeit und Geld, vermeidet rechtliche Risiken und zeigt ganz klar: Inklusion wird ernst genommen.
Vielen Dank für das Gespräch!